Livias Geschichte ist nichts Geringeres als eine Ode an Rebellion, Verspieltheit und grenzenlose Energie. Von Kindesbeinen an war Livia bekannt für ihre lebhafte Fantasie, den Sie sah und fühlte die Welt intensiver und unverfälschter als andere ,die ihr eine Welt eröffnete, wie sie nur wenigen zugänglich ist. Doch während ihrer Schulzeit musste sie sich mit Dunkelheit und Einsamkeit auseinandersetzen, denn sie fühlte sich als sensibles und unkonventionelles Kind in einem starren Schulsystem nicht verstanden.
Als Teenager gab es für Livia keine Grenzen. Sie war unersättlich, neugierig auf neue Erfahrungen und kaum zu bändigen. Man könnte sie als einen wilden Wirbelwind auf einem Fahrrad beschreiben. Bereits mit 14 Jahren hatte sie wilde Partynächte zu erzählen, während sie selbst noch mitten im Prozess des Erwachsenwerdens steckte. Wie viele andere Teenager war Livia fröhlich, lebendig und vielleicht etwas vorzeitig reif, mit einem Hang zum Extremen.
Im zarten Alter von 16 Jahren begegnete sie einem jungen Mann mit kosovo-albanischen Wurzeln, der ihre erste Liebe wurde. Doch leider lebte er noch und wurde von einem gewalttätigen und grausamen Vater erzogen. Unschuldig und geprägt von einer ganz anderen Mentalität und Kultur, erkannte sie nicht, wie schnell sie sich in eine Beziehung hineinmanövrierte, die sich zu einem fünfjährigen Albtraum entwickelte.

Livia erinnert sich noch deutlich an den Moment, als sie im Vernehmungszimmer saß und gefragt wurde, warum sie fünf Jahre lang geschwiegen hatte. Die Antwort lag tief in ihrem Inneren verborgen: Als Kind und jugendliche Teenagerin war sie in einem Zustand der Dissoziation gefangen. Sie konnte es nicht über sich bringen, ihren Eltern von den Missbräuchen zu erzählen, aus Angst, ihnen ihren eigenen Schmerz aufzubürden und vor allem aus unermesslicher Scham.
Bis heute kann Livia nicht vollständig begreifen, wie sie in diesem erstarrenden Zustand gefangen sein konnte. Die Angst, dass ihren Lieben etwas zustoßen könnte, war allgegenwärtig. Die Brutalität dieser Kreise ließ ihre Ängste nicht unbegründet erscheinen. Sie war nicht in der Lage, dieser schrecklichen Situation zu entkommen. Die Täter wussten genau, wie sie ihr Selbstbewusstsein und ihre inneren Überzeugungen durch Drohungen manipulieren konnten, um ihr einzureden, dass sie es verdient habe, so behandelt zu werden. Sie befand sich in einem Albtraum, in dem sie sich nicht bewegen konnte. Fünf Jahre lang war sie ein Spielzeug für Männer, die ihre Neigung zu Minderjährigen nicht unter Kontrolle hatten. Sie gehörte zu einem Kreis von Männern, die von Krieg und Elend in ihren Heimatländern gezeichnet waren. Livia kann und will sich das nicht anders erklären als durch die grausame Sadismus und Zerstörungslust, die sie erleiden musste. Diese Erfahrungen haben nicht nur seelische, sondern auch körperliche Narben bei ihr hinterlassen, die bis heute nicht verheilt sind.
Nach fünf Jahren erhob sich Livia schließlich aus ihrem gelähmten Körper und ihrer Seele. Die Angst davor, was passieren könnte, war geringer als das Leid, das sie noch länger ertragen musste. Sie verdrängte die schmerzhaften Ereignisse und schwor sich, niemals wieder so zu fühlen. Es war ein langer Weg der Befreiung, aber sie wusste, dass sie niemals in diese Dunkelheit zurückkehren durfte. Ihre Eltern spürten all die Jahre, dass etwas mit
ihrer Tochter nicht stimmte, doch Livia war wie erstarrt. Sie sagten einst, dass das Licht in Livias Augen mit 16 erloschen war, doch sie wussten nicht, wohin ihre Tochter ging. In dieser Zeit wurden Drogen zu ihrem Rettungsanker, sie betäubten den Schmerz und halfen ihr, der Realität zu entfliehen.
Livia absolvierte eine Ausbildung zur Friseurin und tauchte in eine Welt des Scheins ein, in der das Tragen einer Maske zum Alltag wurde. Doch als sie vier Jahre später vor Gericht stand und ihre Albträume nicht länger verbergen konnte, wurden die Verletzungen ihrer Seele unübersehbar. Die erlittenen Gewalttaten hatten sich wie ein Krebsgeschwür in ihrer Seele eingenistet. Über all die Jahre hinweg, in denen sie nicht über die Taten sprechen konnte und versuchte, sie zu verdrängen, wuchsen diese Geschwüre und bildeten Metastasen. Sie drohten, sie und ihren verbliebenen Lebensmut zu ersticken. Es vergingen Jahre, bis sie den Mut fand, darüber zu sprechen. Die Scham und Schuld lasteten schwer auf ihr. Sie dachte, dass dies die Erlösung sein würde, doch es kam anders. Die Auseinandersetzung vor Gericht war extrem belastend. Opfer müssen alles geben, damit die Täter bestraft werden können. Leider geschieht dies immer noch viel zu selten oder sogar überhaupt nicht.
Der vorsitzende Oberrichter in der Urteilseröffnung sagte: «Ich habe in meiner Richterzeit noch selten einen solch brutalen Vergewaltigungsfall gesehen. Es ist der Albtraum, was die junge Frau erlebt hat. Man könne sich kaum einen demütigenderen sexuellen Missbrauch vorstellen.» Die Frau habe Todesangst und Höllenqualen ausgestanden.“
Doch verurteilt wurde lediglich einer ihrer Peiniger zu sechs Jahren Haft für mehrfache Vergewaltigung. Dies führte zu einer erneuten Traumatisierung. Sie war froh über die kleine Genugtuung, aber in ihrer Verzweiflung verfiel Livia den Drogen noch stärker. In solch schweren Prozessen braucht es eine erstklassige rechtliche Begleitung, die Livia glücklicherweise hatte, aber leider fehlte ihr eine angemessene psychologische Betreuung. Sie stürzte regelrecht ab – den Verlust des Arbeitsplatzes, die Drogensucht, zahlreiche Psychiatrieaufenthalte zum Drogenentzug, bei denen sie nur neue Drogen kennenlernte (Suchtverlagerung), sinnlose Beistände und schließlich landete sie auf der Straße.



Livia fühlte sich wie ein gescheiterter Mensch und verlor die Hoffnung, jemals ein normales Leben führen zu können. Doch im Rausch schien alles einfacher zu sein. Jahre vergingen, in denen Livia auf der Straße lebte und von einem Elend ins andere stolperte. Für Menschen, die das Drogenelend nicht kennen, ist es schwer zu verstehen, wie tief man sinken kann. Die Prioritäten sind derart verschoben, dass selbst einfache Dinge wie Duschen und normale Körperhygiene vernachlässigt werden. Es zählt nur noch eines: der Rausch, das Betäubtsein, das Nicht-Fühlen von Gefühlen und vor allem das
Nicht-Realisieren der eigenen Lage. Sie gab sich auf. Am Rande der Gesellschaft angekommen und noch tiefer.
Ihre Erfahrungen auf der Straße führten sie an Orte und ließen sie Dinge sehen, die den meisten von uns niemals bekannt sein werden. Diese Erfahrungen veränderten ihren Blick auf die Welt und das Leid auf eine völlig neue Art und Weise.
Im Jahr 2019 nahm Livias Leben eine Wendung, als sie wegen mehrfachen Einbruchs von der Polizei verhaftet wurde. Sie musste ihre Sucht finanzieren und beging daher kriminelle Handlungen. Doch diese Verhaftung erwies sich als ein Wendepunkt in ihrem Leben.
Glücklicherweise wurde sie zu einer Langzeittherapie verurteilt, die es ihr ab 2020 ermöglichte, ein cleanes Leben zu führen. Seitdem lernt sie jeden Tag, sich selbst anzunehmen und mit ihrer Vergangenheit und Gegenwart zu kämpfen. Sie ist dankbar, dass sie dem Teufelskreis der Drogen entkommen ist, doch sie weiß, dass dies keineswegs selbstverständlich ist. Nur private Institutionen, die auf solche Fälle spezialisiert sind, sowie ihr eigener starker Wille und die Unterstützung aus ihrem privaten Umfeld haben ihr geholfen, aus der Abwärtsspirale auszubrechen. Doch es gibt immer noch zu wenige wirkungsvolle Therapieformen und staatlich finanzierte Institutionen, um allen Betroffenen helfen zu können. Livia hatte Glück, sie erhielt Hilfe, doch andere gehen in der Dunkelheit verloren. Aus diesem Grund hat sie Anormal mitgegründet. Sie möchte dazu beitragen, dass die Geschichten dieser Menschen zum Guten gewendet werden.
Heute kann Livia, mit Hilfe eines Programms für Süchtige von Süchtigen, anderen dabei helfen, ein stabiles und gutes Leben zu führen. Mit ihren eigenen Erfahrungen, Tiefen und Höhen möchte sie dort helfen, wo Unterstützung gebraucht wird. Sie hat Orte besucht und Dinge erlebt, von denen die meisten von uns niemals erfahren werden. Mit Anormal Fashion möchte sie traumatisierten Jugendlichen, Missbrauchsopfern, Menschen mit Behinderungen und Suchterkrankten einen unterstützenden Raum bieten. Livia weiß, wie es ist, sich anders und abnorm zu fühlen, von der Gesellschaft ausgestoßen zu werden. Heute nutzt sie ihre eigene Geschichte und ihr Schicksal, um anderen zu helfen und ihnen zu zeigen, dass es Hoffnung gibt. Anormal Fashion, wo Mode auf Hoffnung trifft und eine Botschaft der Stärke und des Überlebens vermittelt wird. Durch den Kauf unserer Produkte unterstützen Sie nicht nur die Mission von Anormal Fashion, sondern tragen auch dazu bei, dass Menschen wie Livia eine Stimme und eine Chance auf ein besseres Leben erhalten.
Anormal Fashion ist ein Projekt, das Livia und Ronny ins Leben gerufen haben, um den Menschen eine Plattform zu geben, auf der sie sich selbst ausdrücken und stolz auf ihre Individualität sein können. Es ist ein Ort, an dem die Modewelt mit der realen Welt verschmilzt und Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrungen zusammenbringt. Anormal Fashion steht für Inklusion, Empowerment und die Befähigung, die eigene Geschichte zu erzählen. Es ist eine Ode an die Rebellion, Verspieltheit und grenzenlose Energie, die in jedem von uns steckt.


2 antwortet auf „Tauchen Sie ein in die bewegende Lebensgeschichte von Livia, der Gründerin von Anormal“
krähenbühl esther
liebe livia und lieber ronny
gestern habe ich euch im «talk täglich»gesehen.
eure geschichten haben mich zutiefst berührt.
selber arbeite ich in der psychiatrie als 1:1 betreuung und stosse ethisch/moralisch oft an meine grenzen.
was du,liebe livia über die psychiatrien gesagt hast,hat bei mir zutiefst angeklungen.(ich öffne IMMER bei jedem einsatz mein herz,ich spüre grosse empathie für menschen in not.leider muss ich dabei oftmals schauen,dass ich mit der pflege nicht anecke.)
fühlt euch ❤️lichst umarmt 🥰
ich wünschte mir ,dass wir als menschen mit menschen arbeiten und das auf augenhöhe!!
❤️ensgrüsse
esther
livia
Liebe Esther,
vielen herzlichen Dank für deine warmen Worte und deine Unterstützung. Es ist wirklich ermutigend zu hören, dass unsere Geschichten Resonanz finden und Menschen wie dich in ihrer wichtigen Arbeit berühren. Dein Engagement in der Psychiatrie als 1:1 Betreuung ist bewundernswert und absolut unverzichtbar. Wir wissen, dass diese Art von Arbeit oft herausfordernd sein kann, besonders wenn es um ethische und moralische Fragen geht.
Es ist inspirierend zu hören, wie du mit Empathie und offenem Herzen an deine Arbeit herangehst. Dein Wunsch, dass wir alle auf Augenhöhe zusammenarbeiten und uns als Menschen begegnen, spricht uns aus der Seele. Diese Art von Mitgefühl und Verständnis ist es, was die Welt dringend braucht.
Bitte behalte deinen wertvollen Ansatz bei und lass dich nicht entmutigen. Deine Arbeit und deine Haltung machen einen großen Unterschied im Leben der Menschen, die du betreust. Wir sind dir zutiefst dankbar für alles, was du tust.
Mit herzlichen Grüßen und einer Umarmung zurück,
Livia und Ronny